Recipes for Broken Hearts
Marina Perez Simão mit Bakhtiyar Babamuradov, Untitled, 2024–2025, Ausstellungsansicht Recipes for Broken Hearts, Buchara 2025
Foto: Bukhara Biennial
Bukhara Biennial, Buchara, Usbekistan
05.09. bis 23.11.2025
Unter dem Titel Recipes for Broken Hearts („Rezepte für gebrochene Herzen“) kuratierte Diana Campbell (Assistenzkurator Timor Zolotoev) die erste Buchara Biennale, die bisher die größte ihrer Art in Zentralasien war. Initiiert und finanziert von der Uzbekistan Art and Culture Development Foundation (ACDF), war es die Idee, die Biennale zum Anlass zu nehmen, einige der Ruinen großer Gebäude, die die Innenstadt von Buchara prägen, wiederaufzubauen und zu renovieren. Usbekistan, ein postsowjetischer Staat in Zentralasien, setzt seit vielen Jahren auf die Forcierung des Tourismus als wichtigen Wirtschaftszweig und finanzierte die Biennale mit einem Betrag in der Höhe von 15 Millionen Euro. Jede einzelne Arbeit der Ausstellung musste die Zensurbehörde passieren, was möglicher Weise bei nicht-staatlichen Geldquellen auch nicht anders gewesen wäre.
Diana Campbell ist dafür bekannt, dass sie Ausstellungen und Veranstaltungen globaler zeitgenössischer Kunst verantwortet – so geschehen u.a. beim Dhaka Art Summit in Bangladesch –, die die lokale Szene repräsentieren und stärken sowie diese mit der globalen Kunstwelt verschränken. Inspiriert durch die reiche und bedeutende Geschichte Bucharas seit dem 10. Jahrhundert als wichtigem intellektuellem und ökonomischem Zentrum an der Seidenstraße, traf Diana Campbell mehrere kuratorische Entscheidungen: Sie beschloss, die herausragenden (Kunst)handwerker:innen aus Buchara mit den Künstler:innen aus der Region und der ganzen Welt zu vernetzen. Erstmals bei einer großen Biennale wurden nun neben den Kunstschaffenden auch die (Kunst)handwerker:innen, die an der Produktion beteiligt waren, gleichwertig genannt und damit gewürdigt. Man wollte alle Kunstwerke vor Ort produzieren, um den CO2-Fußabdruck so gering wie möglich zu halten und um einen guten regionalen Dialog zu ermöglichen; insgesamt waren es schließlich 70 ortsspezifische Arbeiten. Die präsentierten Werke waren überwiegend installativ und zeitbasiert, Videos, Performances, Musik und Poesie nahmen einen wichtigen Platz ein. Auch das gemeinsame Essen und Feiern mit der einheimischen Bevölkerung, zu der aufgrund der Kooperationen bereits ein guter Kontakt bestand, war von großer Bedeutung. Vor allem bei den „Final Days“, den letzten fünf Tagen, in denen ich dabei war, stand der kulinarische Aspekt, u.a. mit Küchenchefs aus allen möglichen Gegenden der Welt, im Mittelpunkt. Die Biennale sprach tatsächlich alle Sinne an: Sehen, Hören, Berühren, Riechen und Schmecken.
Die neu renovierten Orte, die nun für die Ausstellung zur Verfügung standen, waren das Khoja-Gavkushon-Ensemble mit Madrasa und Moschee, die Karawanserei (ursprünglich aus vier Karawansereien entstanden) und die Rashid Madrasa (Madrasa bezeichnet eine Schule oder Universität). Neben den Gebäuden wurde auch der öffentliche Raum der Umgebung mit zahlreichen Kunstwerken bespielt.
Subodh Gupta mit Baxtiyor Nazirov, Salt Carried by the Wind, 2024–2025, Ausstellungsansicht Recipes for Broken Hearts, Magoki Attori Square vor der Karawanserei, Buchara 2025
Foto: Bukhara Biennial
Das Konzept der Biennale beruft sich unter anderen auf den Universalgelehrten, Philosophen und Mediziner Ibn Sina aus dem 10. Jahrhundert, der in der Nähe von Buchara geboren wurde und dem die Legende nachsagt, dass er um das gebrochene Herz eines Prinzen zu heilen, der die Tochter eines Handwerkers nicht heiraten konnte, das nationale Reisgericht der Usbeken erfunden hatte. Bei einem der gemeinsamen Essen mit einem Reisgericht aus Westafrika wurde der Unterschied zwischen Reis- und Weizenkultur erläutert: Vereinfacht könnte man sagen, dass die Reiskultur, wie wir sie in Usbekistan vorfinden, wegen der intensiven gemeinsamen Arbeit und der erforderlichen Bewässerung stark von der Gemeinschaft getragen ist, wohingegen Weizenkulturen individualistischer sind. Usbekistan als vorwiegend muslimisches Land ist stark von Gemeinschaften geprägt, u.a. den Mahallas, selbstorgansierten Nachbarschaften, die sich um die regionale Verwaltung kümmern, und auf Freiwilligenarbeit beruhen. Die Arbeitseinsätze jedoch, die bereits zu Sowjetzeiten in der monokulturellen Baumwollproduktion von den Menschen verlangt wurden, würde man heute wohl als Zwangsarbeit bezeichnen. Nach wie vor gibt es ein großes Tabu über die Baumwollproduktion zu berichten, nicht nur wegen der Arbeitsbrigaden, sondern auch wegen der enormen Umweltschäden, die sich zum Beispiel im fast völligen Austrocknen des Aralsees zeigen, worauf ich später noch anhand von Kunstwerken zu sprechen komme.
Khoja-Kalon-Moschee, Ausstellungsansicht Recipes for Broken Hearts, Buchara 2025. Von oben nach unten: Delcy Morelos und Baxtiyor Akhmedov La Sombra Terrestre (The Earth’s Shadow), 2024–2025, Antony Gormley und Temur Jumaev, Close, 2024–2025
Foto: Bukhara Biennial
Nehmen wir zunächst als Beispiel für die Präsentation der Ausstellung die immer noch in Teilen in Ruinen befindliche ehemalige Khoja-Kalon-Moschee. Sie wurde 1598 als zweitgrößte Moschee in Buchara von Scheich Khoja Said, bekannt als Khoja Kalon (der große Khoja) errichtet, einem prominenten Führer des Naqshbandi-Sufi-Ordens und wichtigen Politiker, der für das Wassersystem von Buchara verantwortlich war, in einem Wüstenland von besonderer Bedeutung für das Überleben der Stadt. Das Gebäude brach im 20. Jahrhundert großteils zusammen, im Vorfeld der Biennale begann man dieses nun zu restaurieren. Gleich neben dem Eingang fand am 16. November 2025 das Kimchi Opening Ritual von Jeong Kwan statt. Kimchi entsteht durch den Prozess der Fermentierung, wobei es sich dabei um eine viele tausend Jahre alte Methode handelt, Lebensmittel zu konservieren, die wohl in Asien ihren Ursprung nahm. Kwan ist eine Meisterin der Fermentation. Für ihre Arbeit in der Ausstellung kooperierte sie mit der Koryo-Saram-Community, den Koreaner:innen von Usbekistan. Noch heute besteht sie aus 170.000 Personen, deren Vorfahren 1937 von Stalin im Land angesiedelt worden waren. Das Öffnen der Kimchi-Fässer, die zu Beginn der Biennale verschlossen worden waren, fand vor Publikum statt. Das Ritual des Öffnens der Kimchi-Fässer stellt einen magischen Moment dar, der die Erneuerung des Lebens, überlieferte Weisheiten und den Erhalt des Gemeinschaftsgeistes feiert. Am nächsten Abend wurde das Kimchi auch in dem Reisgericht von Kwan beim Rice-Cultures-Feast mit Köch:innen aus Usbekistan, Westafrika, Brasilien, Indien, Peru und Saudi-Arabien an einem zentralen Platz der Biennale verkocht. Jeong Kwan ist eine Chefköchin und buddhistische Nonne, bekannt aus der Netflix Serie Chef’s Table.
Ausstellungsansicht Recipes for Broken Hearts, Buchara 2025. Hinten: Delcy Morelos mit Baxtiyor Akhmedov La Sombra Terrestre (The Earth’s Shadow), 2024–2025. Vorne: Antony Gormley mit Temur Jumaev, Close, 2024–2025
Foto: Bukhara Biennial
Wollte man in den großen Hof des Khoja Kalon gelangen, hatte man die Möglichkeit durch die Arbeit von Delcy Morelos gemeinsam mit Baxtiyor Akhmedov La Sombra Terrestre (The Earth’s Shadow), 2024–2025, hindurch zu gehen. Es handelte sich dabei um eine pyramidenartige Struktur aus Holz, die mit Jutefäden netzartig von einheimischen Handwerkern bespannt wurde. Die Bildhauerin stellte sich vor, dass sich ihre Arbeit in die alte Architektur des Kholja Kalon hineinwebte. Bestrichen wurde die gesamte Skulptur mit einer Masse aus Erde, Sand, Gewürznelken, Zimt und Kurkuma, dessen Rezept von Gewürzhändler:innen in vierter Generation aus Buchara erfunden und hergestellt wurde. Diese Skulptur faszinierte nicht nur durch ihren geheimnisvollen Lichteinfall im Inneren, sondern auch durch den angenehmen Duft, den sie verströmte.
Im großen Hof selbst fand man eine raumgreifende Installation aus ungebrannten großen Lehmziegeln von Antony Gormley in Kooperation mit Temur Jumaev. Die Ziegel bildeten eine große Ansammlung von unterschiedlichen abstrakten kubischen Personen in verschiedenen Posen: Close, 2024–2025. Bewegte man sich durch die Installation, wurde man Teil des heiteren Dialogs zwischen den zahlreichen Figuren. Hinter dieser Arbeit erhoben sich riesige Sanddünen, denen man ansah, dass sie hier erst vor kurzem angekommen waren. Um das Kunstwerk The Observer’s Illusion, 2025, von Ruben Saakyan mit Konstantin Lazarev wirklich zu erkunden, musste man die Dünen umrunden, erst dann sah man einen wunderschönen Garten aus winzigen Pflanzen, die in der Mitte der Dünen angesiedelt waren.
Jazgul Madazimova mit den Frauen von Buchara, A Thousand Prayers, 2025, am Magoki Attori Square, Ausstellungsansicht Recipes for Broken Hearts, Buchara 2025
Foto: Hildegund Amanshauser
Blickte man von den Sanddünen in die Höhe, befand sich am nächstliegenden Haus ein Drache, der aus unzähligen Kopftüchern gemacht worden war: A Thousand Prayers (2025) bestand aus Kopftüchern, die die Frauen von Buchara Jazgul Madazimova zur Verfügung gestellt hatten. Madazimova, eine kirgisische Künstlerin, die u.a. im Gorki Theater in Berlin gearbeitet hat, beschäftigt sich häufig mit dem Thema Arbeitsmigration von Frauen und der Wechselbeziehung der Bedeutung des Kopftuchs mit der Stellung der Frauen in der Gesellschaft. Ausgangspunkt dafür war die Geschichte ihrer Mutter, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die finanzielle Verantwortung für ihre Familie übernahm, nachdem der Vater arbeitslos geworden war. Um in privaten Haushalten in Moskau arbeiten zu können, legte sie, eine traditionell gekleidete muslimische Frau mit Kopftuch, dieses ab und beschloss kurze Haare zu tragen. A Thousand Prayers wurde eines Abends von der Wand abgenommen und in einer Art Parade, als würde der Drache von selbst seinen Platz wechseln wollen, auf den Platz vor der Magoki-Attori-Moschee transferiert und dort aufgestellt, bevor die Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt aufgelöst und die Kopftücher wieder den Frauen in Buchara zurückgegeben wurden. Die Magoki-Attori-Moschee ist ursprünglich ein Bau aus dem 9. oder 10. Jahrhundert, womit sie eine der ältesten Moscheen in Zentralasien ist.
Anna Lublina (stehend rechts), Bukhara Peace Agency, mit Musikern des Philharmonic Orchestra und Sozandas von Buchara am Magoki Attori Square, 17.11.2025
Foto: Hildegund Amanshauser
Am Magoki-Attori-Platz fand zu einem anderen Zeitpunkt die Performance Bukhara Peace Agency mit Musik und Tanz statt. Inspiriert von den Sozandas – weiblichen Ritualführerinnen aus Buchara, die persische Poesie, Shashmaqom (eine klassische Musikform, die von muslimischen und jüdischen Traditionen geprägt ist), zoroastrische Symbole und Tanz miteinander verwebten – ehrte Anna Lublina (mit Musiker:innen und Tänzer:innen aus Buchara) diese Hüterinnen eines gemeinsamen kulturellen Gedächtnisses der jüdischen und muslimischen Gemeinschaften.(1) Dabei erzählte die Künstlerin vom jahrhundertelangen vergleichsweise friedlichen Zusammenleben von Juden und Jüdinnen und Muslim:innen. Die relativ große jüdische Gemeinde (1989 waren es fast 100.000 Menschen) in Buchara lebte dort seit dem 6. Jahrhundert. Traditionelle Musikerinnen, Performerinnen und Tänzerinnen der mittlerweile kleinen jüdischen Gemeinde bewahren bis heute das Erbe dieser Community, die durch eine große Auswanderungsbewegung seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre radikal dezimiert wurde.
Vahap Avşar mit Firuz Shamsiyev (in Kooperation mit den Bienenzüchtern aus der Umgebung von Buchara), Swarm Works, 2024–2025, Performance, 18.11.2025
Foto: Hildegund Amanshauser
Nahe der Karawanserei Nugai fand die Performance Swarm Works von Vahap Avşar mit als Imker:innen verkleideten Kindern von Buchara statt. Diese ernteten den über die Dauer der Ausstellung von wilden Bienen erzeugten Honig und übergaben ihn an die einheimischen Imker. Der ursprünglich geplante Honigkuchen blieb wegen der geringen Ernte aus. Die Bienenkästen waren in zwei hölzernen Schneeleoparden, in Zentralasien gefährdete Arten, gefertigt vom Schnitzer Firuz Shamsiyev (in Kooperation mit den Bienenzüchtern aus der Umgebung von Buchara) untergebracht. Avşar hoffte, dass wilde Bienen in Buchara sie fänden und dort Honig erzeugten, so wie er das schon in New York und anderen Städten erprobt hatte. Das war jedoch in der Wüstenstadt Buchara nicht so einfach zu realisieren, weil es dort kaum wilde Bienen gibt. Daher mussten die Imker Bienenköniginnen in die Kästen setzen, um überhaupt Bienen anzulocken.
Hylozoic/Desires (Himali Singh Soin und David Soin Tappeser) in Kooperation mit Rasuljon Mirzaahmedov (Margilan Crafts Development Centre), Longing, 2024–2025
Foto: Bukhara Biennial
Die größte Arbeit schwebte als eine monumentale Stoffbahn mit traditionellem Ikat-Muster über einem Kanal, der fast an allen Ausstellungsorten vorbeilief. Hylozoic/Desires (Himali Singh Soin und David Soin Tappeser) in Kooperation mit Rasuljon Mirzaahmedov (Margilan Crafts Development Centre) entwickelten die Arbeit Longing, 2024–2025. Das Muster auf dem Stoff verblich während der Dauer der Ausstellung durch die Sonneneinstrahlung und erinnerte so an das Austrockenen des Aralsees (der den Kanal jedoch nicht speist), welches die Ökologie Usbekistans als doppeltes Binnenland schwer gefährdet.
Auf völlig andere Art und Weise befasste sich auch das Zweikanal-Video der chinesischen Künstlerin Liu Chuang (mit der Tanzkompanie Bahor Ensemble) Wet Metal, 2025, mit Ökologie. Es verschränkte die Auseinandersetzung mit usbekischem Tanz, insbesondere der Tänzerin und kommunistischen, dem Sowjetregime nahestehenden Akteurin Tamara Khanum (1906 – 1991) mit technologischen Entwicklungen seit der Zeit der Sowjetunion in einem Science-Fiction-Szenario. Tamara Khanum war, was ihre weltweiten Gastspiele belegen, für ihren Tanz und ihr Musiktheater international berühmt. Sie engagierte sich aber auch für technologische Entwicklungen, so zum Beispiel den Fergana-Kanal, der gespeist vom Aralsee durch Usbekistan führt und für Trinkwasser und die Bewässerung der Landwirtschaft, insbesondere der Baumwollfelder, sorgt. Auch die Emanzipation muslimischer Frauen war ihr ein großes Anliegen. Inspiriert von Usbekistans Vergangenheit als Ort, in dem Poesie, Wissenschaft und Technologie aufeinandertrafen und von Spekulationen über die Zukunft getrieben, schafft Liu Chuang in Zusammenarbeit mit der Tanzkompanie Bahor Ensemble einen Science-Fiction-Film, der usbekische und sowjetische Choreographien, zum Beispiel den Cotton Dance, 1933, oder den Dance of Agricultural Mechanisation, 1976, mit sowjetisch modernistischen Innenräumen, überwiegend in Taschkent, verbindet. In einer zukünftigen Welt – so der Plot des Films – werden zwei usbekische Frauen beauftragt, eine Erntemaschine zu untersuchen, die von einem anderen Planeten zur Reparatur auf die Erde zurückgeschickt wurde. Die Frauen gehen davon aus, dass die Maschine eine Fehlfunktion hat, kommen jedoch dann zu dem Schluss, dass die Maschine durch die Interaktion mit Insekten-Schädlingen auf Baumwollpflanzen auf ihrem Herkunftsplaneten ein Bewusstsein entwickelt hatte. Liu Chuang: „Wet Metal untersucht die komplexe Beziehung zwischen traditionellem Tanz und moderner KI – sie scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, sind aber tatsächlich tief miteinander verbunden.“(2).
Die erste Buchara Biennale war, wie von der Regierung intendiert, ein Magnet für die internationale Kunstwelt. Man hatte den Eindruck, dass auch die Kooperation mit der einheimischen Bevölkerung für beide Seiten befruchtend war. Die regionalen und lokalen Kunstschaffenden profitieren zweifelsohne von ihrer Sichtbarkeit und Kontextualisierung in der Biennale. Die Verbindung hochkarätiger zeitgenössischer Kunst mit dem reichen historischen Erbe von Usbekistan war für viele Kunstmenschen so attraktiv, dass sie den oft weiten Weg auf sich nahmen. Jede Biennale an einem „abgelegenen Ort“ wirft jedoch auch die Frage auf, was diese über den zunehmend kritisierten Ferntourismus hinausgehend, bewirken kann. Sicherlich, sie macht die Kunstschaffenden vor Ort und in der Region sichtbarer, sie trägt aber auch dazu bei, die nicht-demokratischen Regierungen (nicht nur in Usbekistan, sondern auch in Singapur, Saudi-Arabien oder Kuba) zu normalisieren und weltweit ein Image der Offenheit und der Coolness zu erzeugen. Als Besucher:in kann man jedoch versuchen, genau hinter die Kulissen zu schauen, damit man tatsächlich – zusätzlich zur dargebotenen Kunst und den Künstler:innen, die man vielleicht persönlich kennen lernen kann – auch etwas über das Land erfährt, das über den oberflächlichen folkloristischen Blick von Tourist:innen hinausgeht.
(1) Vgl. Catharine Bonifassi (Ed.), Recipes for Broken Hearts, Guidebook, Paris 2025, S. 83.
(2) Ebenda S. 103.